Künstlicher Urin - gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen von sythetischem Urin zum Mitnehmen

März 13th, 2009

Seit einiger Zeit kann man synthetischen Urin kaufen, der es einem ermöglichen soll, immer und überall Drogentests anhand von Urin unbeschadet zu überstehen. Dass mit einem solchen Angebot weitreichende gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen verbunden sind, wird dabei bisher noch übersehen.

Hier einige Eckdaten zum typischen marktüblichen synthetischen Urin:

  • 20 ml Füllmenge
  • im praktischen Aufreisspack
  • immer dabei
  • sollte angewärmt werden, um optimale Vergleichbarkeit mit echtem Urin zu erreichen

Zunächst einmal weist die geringe Füllmenge (ein Schnapsglas) auf schwerwiegende gesundheitliche Probleme hin. Soll man in diesem Fall dem Abnehmer der Probe Erkrankungen bis hin zum Prostatakrebs vortäuschen? Oder schüchternes Verkrampfen des Schließmuskels? Auf jedem Fall wird es dem Selbstbewusstsein des Abgebers “Tschuldiung, ging nicht mehr” nicht gerade zur Mehrung gereichen, eine so geringe Menge zu spenden. Das heißt nichts anderes, als dass man auf jeden Fall immer mehrere Päckchen braucht, um unangenehmen Fragen und spöttischen Blicken zu entgehen.

Ein weiteres Problem ist die Notwendigkeit, den künstlichen Urin auf Körperwärme zu bringen. Dazu, und auch aus Gründen des leichten Zugriffs im Ernstfall, ist es offenbar am besten, den Urin gleich in der Unterhose mit sich zu führen. Das bedeutet mittelfristig empfindliche Einbußen für die Industrie der Boxershorthersteller (und das angesichts der aktuellen Krise), denn nur möglichst enge Slips sind auch zur Aufbewahrung geeignet, weil man ja gerade als hipper Drogenfreak Disko und volksfestliche Fahrgeschäfte besuchen will und es doch ziemlich peinlich wäre, wenn einem beim Tanzen mit dem Schwarm der Urin (wenn auch hygienisch verpackt) aus dem Hosenbein fliegt. Auch im Megarotator auf der Kirchweih droht die Entblößung des Päckchens per Zentrifugalkraft.
Dabei ganz übersehen wird - Prost-Mahlzeit Demographische Katastrophe - der damit endgültig unausweichliche Kollaps der Sozialsysteme. Schließlich verringern enge Unterhosen Sperm-Count und Riseability.

Zu guter Letzt bleibt noch das Lifestyle-Argument: “Clean Urin - Immer dabei”. Man sieht die Werbeposter geradezu vor sich. Ein schicker Lümmel mit mutmaßlich aktueller, auf jeden Fall aber klebriger, Promi-Frisur legt den Arm um die Schulter einer überdimensionalen Packung künstlichen Urins - wer braucht da noch Freunde?

Also ein weiteres Objekt, ohne das man nicht mehr das Haus verlässt. Neben Handy, biometrischem Reisepass und Gasmaske kommen auch immer noch mehrere Päckchen artifiziellen Urins, die man sich aber immerhin elegant zwischen Glöckchen und Wurst in den viel zu engen Slip stecken kann. Brave New World…

Glos im Hals, Bayern im Herzen oder: The Man Who Wasn’t There II

Februar 10th, 2009

Yeah, ich habs doch gesagt!

Ein herzzerreissendes Stück vom Natursauerteig-Glück

Oktober 15th, 2008

Die Soap-Opera-Kultur setzt sich immer weiter durch. Genau wie im Folgenden beschrieben wurde in realiter ein wohl Original ARD-Drehbuch durchexerziert, das einem wie Zucker auf der Mattscheibe zergeht. So beobachtet in einer Bäckereifiliale.

Alles ist drin: Der Zusammenhalt der arbeitenden Klasse, die Hilfsbereitschaft über Generationen hinweg (aka: Die Weisheit der Alten), die sympathische südländische Betonung des Körperkontakts, ein in Wohlgefallen aufgelöstes amouröses Drama und natürlich zwei (gefärbte) Blondinen am gut ausgeleuchteten Arbeitsplatz mit sanftem Pop-Gedudel im Hintergrund und einem arglosen Kunden, der wie ein schlecht bezahlter Statist steif an der Theke steht und Zeuge dieser Szene wird, weil er von den Hauptdarstellern behandelt wird als wäre er eine Unperson, vor der man (wie vor einem Haustier) sein Intimleben ausbreiten kann ohne Folgen befürchten zu müssen.

Tja, zu schade, dass ich die Begebenheit natürlich weitergeben muss:

Dramatis Personae:

Verkäuferin 1 (Susi): Ca 25-30 Jahre alt, manchmal recht unhöflich, wünscht einem aber dafür auch schon mal an Freitagen um 8:00 morgens ein schönes Wochenende. Im Folgenden Susi (ich hab mir die Namensschilder leider nicht gemerkt) genannt.

Verkäuferin 2 (Hildegard): Ca 50-55 Jahre alt, routiniert höflicher, aber unpersönlicher Umgang, wie man es sich wünscht (im Gegensatz zur aufgesetzten Schönen-Tag-noch-der-Herr-Fröhlichkeit). Im Folgenden Hildegard genannt.

Ich (Serge): Atemberaubend gutaussehend, 23. Semester Sonderpädagogik, wünscht 4 Michelsemmeln (80 cent im Angebot)

Des weiteren einige stocksteife Statisten, die im Hintergrund Kaffee trinken und Gespräche vortäuschen.

Auftritt Serge: (Bestellung vollführend) 4 Michelsemmeln bitte

Hildegard: (wortlos, die Bestellung annehmend)

Susi: (Mopp in der Hand, aufgeregt, zu Hildegard) Du hattest recht, ich habe ihn darauf angesprochen, wie du es gesagt hast und jetzt ist wieder alles in Ordnung

Hildegard: (zufrieden und weise Richtung Kundschaft blickend) Na also, hat sich doch alles in Wohlgefallen aufgelöst

Susi: (ehrfürchtig) Danke nochmal, ich hatte echt solche Sorge, dass es vorbei sein könnte

Hildegard: (heischend) Und bekomme ich jetzt keine Umarmung? (wird von der Seite von Susi umarmt, da sie immer noch Richtung Theke ausgerichtet ist)

Susi: (erleichtert und frohgemut, verlässt die Szene)

Vollendung der Transaktion, Serge verlässt die Szenerie nicht ohne noch von bewundernden Blicken entkleidet zu werden. Draußen ist es zwar nicht kalt, ein Händereiben kann er sich dennoch nicht verkneifen. Per Computer sollte später noch kondensierter Atem hinzugefügt werden.

Meine Rolle bei diesem Schauspiel habe ich zugegebenermaßen übrigens nicht gut gespielt. Abgesehen davon, dass an dieser Stelle eine alte Dame besser gepasst hätte als ein - soviel ist einzuräumen - Klischeestudent, hätte ich nicht nur stoisch auf mein Brot warten sollen, sondern mich an dramaturgisch abflachender Stelle räuspern und einwerfen sollen, dass ich nicht den ganzen Tag Zeit habe.

Bewerberfotze

Oktober 10th, 2008

Jawohl, ab in die Lore Richtung moralische Vergessenheit, mir egal, welche Klientel das anzieht, jetzt muss mal Klartext übers Web 2.0 geredet werden, es geht nur um Schmutz und Schmodder.

Die arglos schlampig formulierende Volksmundart offenbart endlich die Wahrheit über StudiVZ und Konsorten der Verzeichniswut: Studifotze, Schülerfotze, Bewerberfotze …

Danke Dialekt, Danke artikulationsfaule Gesichtsmuskeln, Danke Volksfotze

Endlich: Ebay-Konkurrent lutscht zurück!

September 30th, 2008

Das Zauberwort heißt Taschengeld statt Gebührenordnung, auf dem Ebaykonkurrenten kijiji gibts Gynäkologenstühle, viel Nivea -äh- Niveau und natürlich gaaanz viele Studentinnen, die bei der Seminararbeit helfen (nur mit).

http://berlin.kijiji.de/f-Kontaktanzeigen-Flirt-Abenteuer-Erotik-Erotische-Dienstleistungen-W0QQCatIdZ1360

featuring Lyrik vom Feinsten:

Wenn du allerdings | Nur das kurze Treffen suchst | Ist ein Obolus | Von 150€ angemessen

Mit 15 Euro hätt sich’s zwar besser ins Versmaß gefügt, aber die Zeiten sind -vor allem in Berlin- härter als sonst wo.

Vorsicht übrigens vor medizinischen Warnungen (Privatversicherte natürlich ausgenommen): “Dein bestes Stück wird bei mir explodieren”

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…Nachtrag: “Konkurrent” war wohl das falsche Wort…

Einmal Scheißen: 1 Euro

September 28th, 2008

15 Sekunden für Populismus #2

Ich zahl doch nicht für’s Kacken mehr als für nen Liter Milch!

309 Sekunden für lau: Staatskasse

September 28th, 2008

15 Sekunden + X für Populismus #1

„Der Staat kassiert zu viel!“, behauptete Günther Beckstein im Zuge des Heimatwahlkampfes zum wiederholten Male. Entschlacken wolle er, gerade er, der vor nicht allzu langer Zeit die Hölle auf Erden einbrechen sah, als die bayerische Polizei beinahe auf Skoda umgestiegen wäre. Jetzt sind alle wieder beim BMW und beim Weißbier, der Staat kassiert immer noch zu viel vom Bürger und gibt es dann auch noch den Sozialhilfeempfängern, die dem inzwischen ja bekanntermaßen als Ministerpräsidenten verfügbaren Beckstein ein eiternder Dorn im Auge der Vollbeschäfitgung sind.

À propos Vollbeschäftigung: Das mit den zwei Maß und dem Autofahren, das war schon ernst gemeint. Denn so sieht doch die brilliante Zukunft von München, Texas aus: Alle voll und beschäftigt. Und der Staat kassiert nicht mehr zu viel vom Bürger, weil alles über die Schaumwein- und Weißbiersteuer reingeholt wird. Und dann heißt es höchstens noch: “Die Bierfahne muss weg”, oder “wenn die Künstler sich weigern, zu saufen.” Schlechter Schluss, schon klar. Aber irgendwann muss halt Schluss sein. Vielleicht ja schon heute abend, mit allen Scheineuphorien. Wo ist der bayerische Obama? Wo ist der gute Populist?

Redling, Gradling, Dingolfing II

September 27th, 2008

Es ist wieder Wahlzeit. Diesmal schreckt Rauchschwade nicht zurück, eine Prognose abzugeben und dabei ausnahmsweise auch noch diesseits der Realität zu bleiben. Ohne Scheibenwischer und Kommode direkt auf den Punkt: Welches Ergebnis wird die bayerische Landtagswahl morgen bringen?

***ZENSIERT***

***ZENSIERT***

***ZENSIERT***

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Seltsam: Warum hat die CSU nicht diesen Dauerbrenner wieder ausgegraben?

Ankündigung: Sollte der Fall eintreten, dass dieser Eintrag durch die Realität morgen doch verworfen wird, könnte er ‘versehentlich’ verschwinden, journalistische Ethik darf in diesem Fall nicht das Rauchschwade-Dogma der Beliebigkeit der Inhalte verletzen.

Ankündigung 2: Morgen startet auf Rauchschwade außerdem die neue Rubrik “15 Sekunden für den Populismus”, die große Anbiederungsoffensive des Rauchschwade-Politik-Netzwerks, seien Sie also dabei, wenn die Schwarte endlich wieder themenrelevant kracht und scheppert.

Glos im Hals, Bayern im Herzen oder: The Man Who Wasn’t There

September 17th, 2008

Wir gratulieren Michael Glos zum Gewinn des extra für ihn geschaffenen Titels “Überflüssigster Wirtschaftsminister aller Zeiten”. Seine öffentliche Präsenz ist kleiner-gleich Null, beachtlich für dieses Ressort, das einen beschwingten Nachmittag lang sogar für Edmund Stoiber attraktiv genug zu sein schien. Selbst das Sommerloch bot kaum Platz für seine groben Konjunkturbrötchen, die nicht aufgehen wollten und dann unfertig von ihm selbst verschluckt wurden.

Nur wohin mit ihm und wer hält dann den Stuhl warm? Die CSU hat um das Wirtschaftsministerium gekämpft, jetzt kann man es ihr schlecht wieder wegnehmen. Kompetente Köpfe stehen bei der CSU aber nicht zur Verfügung, noch dazu, wo ja alle darauf warten, dass Beckstein mit zwei Maßkrügen in jeder Hand auf der Landstrasse zur Herbstdult verunglückt.

Hätte man Glos bloß zu Anfang der Großen Koalition in die Sprachförderschule geschickt wie dereinst Stoiber zu seiner Kanzlerkandidatenzeit (wo tatsächlich ganze, vom Deutschen kaum zu unterscheidende, Sätze von ihm formuliert wurden bis er dann vom Schicksal gebeutelt wieder zurück in seine alten Muster fiel). Dann dürfte er jetzt langsam für seine ersten Worte auf dem politischen Parkett bereit sein. “I bin da Michael Gloos und I hab a gands Minisderjum mid am gscheidn Edda”.

Aber bis zur Wahl lohnt sich das jetzt sicher nicht mehr. Jetzt heißt es still und leise durchzuhalten, damit die Tarnvorrichtung nicht versagt.

Augen auf beim Kleinviehkauf.

September 14th, 2008

Immer wieder erreichen uns, die wir leider selbst völlige Laien auf diesem Gebiet sind, Anfragen von jungen Menschen: “Ist ein Schwan koscher?”. “Ist ein Esel koscher?”. Nachdem wir nun nicht auf dem Glaubensweg in die Position geraten sind, diese Fragen zu beantworten, sondern auf dem Weg völlig unergründbaren Google-Algorithmen, soll die Beantwortung  möglichst knapp und unverfänglich ausfallen.

Koscher sind:

  • Rinder
  • Schafe
  • Ziegen
  • Rehe
  • Hirsche
  • Gemsen
  • Büffel
  • Enten
  • Hühner
  • Gänse
  • Tauben
  • Puten
  • alle Meerestiere mit Schuppen und Flossen

Trefe sind:

  • Esel
  • Schweine
  • Hasen
  • Kamele
  • Pferde
  • Stör
  • Krabben
  • Krebse
  • Aale
  • Austern

Raubtiere sind generell verboten, auch Raubfische, ebenso Insekten (Mit Ausnahme einiger nahrhafter und schmackhafter Heuschrecken-Arten.) Bei Wachteln, Rebhühnern und Fasanen ist die Quellenlage strittig; im Zweifelsfall also lieber nicht zugreifen.

Um auf die beiden oben gestellten Anfragen zurückzukommen: Ein Esel ist nicht koscher, da er zwar ein Paarhufer ist, aber seine Nahrung nicht wiederkäut. Der Schwan fällt wohl ebenfalls in die Kategorie des aus unsicherer Quellenlage noch nicht erörterten Federviehs - beachtet man allerdings den Grundsatz, dass man nur Tiere verspeisen solle, die als “sanft” eingeordnet werden können, so sollte man vom Braten des hochmütigen und angriffslustigen Schwans besser absehen.