Chinesische Zensur bei den Olympischen Spielen
Vor allem in den letzten Tagen wurde es klar: China sperrt Webseiten (BBC, Deutsche Welle, Amnesty sowieso grundsätzlich, quasi schon aus Gewohnheit) und erlaubt den anwesenden Journalisten keinen freien Zugang zum Internet.
Gestern erlaubte sich das IOC tatsächlich die Feigheit und Peinlichkeit, vor dem Regime in die Knie zu gehen und kleinlaut einzugestehen, dass die bisher großmäulig versprochene Freiheit nicht ihre Sache sei und es doch vollkommen ausreiche, dass für die Journalisten in Peking lediglich “sportrelevante”(?!) Seiten frei zugänglich seien. Adieu Pressefreiheit, adieu Menschenrechte, wir kannten uns kaum.
Man denkt sich: Was hat China davon, sich selbst so autoritär darzustellen, wollte die politische Führung nicht den Vorwurf, ein unfreies Land zu sein, abschütteln? Schaden sie sich so nicht selbst?
Seltsamerweise aber könnte die Rechnung aufgehen. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf das Medienecho in den nächsten Tagen, aber im Moment scheint noch Lethargie zu herrschen und die Wahrscheinlichkeit gar nicht so gering zu sein, dass große Teile der Medienseite einfach den Schwanz einziehen und kapitulieren. Immerhin: “Die Zeit”, die mir grade ins Haus flattert, ist thematisch gut dabei, auch bei der Berichterstattung über die Gängelung der chinesischen Bevölkerung durch die Regierung, aber wie werden die Fernsehsender und Kronenzeitungen reagieren?
Und man bedenke auch, wie schnell die China-Kritik, die im Umfeld der Fackelläufe geübt wurde, wieder im Medienloch verschwunden ist. Werden die Menschenrechtsstimmen wieder versanden?
Mein Vorschlag an Amnesty und Co.: Konzentration auf knallharte Sportberichterstattung, die nach Schweiß und Hingabe riecht. Olympiarelevant dürfte jetzt ohnehin jedes Medium und jede Menschenrechtsorganisation, die etwas auf sich hält, werden. Diese Steilvorlage ungenutzt zu lassen, würde ein Signal an das Politbüro senden, sich wirklich alles erlauben zu können und längst keine ernstzunehmende Kritik mehr befürchten zu müssen, selbst wenn man sich dermaßen selbst übertrifft und das angeblich so falsche Bild eines autoritären bis totalitären Staates durch die Realität noch überzeichnet.
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