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rauchschwade: Spritzfindige Bemerkungsfelder und einsame Manpower

Geschnitten Brot auf dem Standstreifen der Referenzautobahn.

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Ein herzzerreissendes Stück vom Natursauerteig-Glück

Oktober 15th, 2008 by Serge Krokomieder

Die Soap-Opera-Kultur setzt sich immer weiter durch. Genau wie im Folgenden beschrieben wurde in realiter ein wohl Original ARD-Drehbuch durchexerziert, das einem wie Zucker auf der Mattscheibe zergeht. So beobachtet in einer Bäckereifiliale.

Alles ist drin: Der Zusammenhalt der arbeitenden Klasse, die Hilfsbereitschaft über Generationen hinweg (aka: Die Weisheit der Alten), die sympathische südländische Betonung des Körperkontakts, ein in Wohlgefallen aufgelöstes amouröses Drama und natürlich zwei (gefärbte) Blondinen am gut ausgeleuchteten Arbeitsplatz mit sanftem Pop-Gedudel im Hintergrund und einem arglosen Kunden, der wie ein schlecht bezahlter Statist steif an der Theke steht und Zeuge dieser Szene wird, weil er von den Hauptdarstellern behandelt wird als wäre er eine Unperson, vor der man (wie vor einem Haustier) sein Intimleben ausbreiten kann ohne Folgen befürchten zu müssen.

Tja, zu schade, dass ich die Begebenheit natürlich weitergeben muss:

Dramatis Personae:

Verkäuferin 1 (Susi): Ca 25-30 Jahre alt, manchmal recht unhöflich, wünscht einem aber dafür auch schon mal an Freitagen um 8:00 morgens ein schönes Wochenende. Im Folgenden Susi (ich hab mir die Namensschilder leider nicht gemerkt) genannt.

Verkäuferin 2 (Hildegard): Ca 50-55 Jahre alt, routiniert höflicher, aber unpersönlicher Umgang, wie man es sich wünscht (im Gegensatz zur aufgesetzten Schönen-Tag-noch-der-Herr-Fröhlichkeit). Im Folgenden Hildegard genannt.

Ich (Serge): Atemberaubend gutaussehend, 23. Semester Sonderpädagogik, wünscht 4 Michelsemmeln (80 cent im Angebot)

Des weiteren einige stocksteife Statisten, die im Hintergrund Kaffee trinken und Gespräche vortäuschen.

Auftritt Serge: (Bestellung vollführend) 4 Michelsemmeln bitte

Hildegard: (wortlos, die Bestellung annehmend)

Susi: (Mopp in der Hand, aufgeregt, zu Hildegard) Du hattest recht, ich habe ihn darauf angesprochen, wie du es gesagt hast und jetzt ist wieder alles in Ordnung

Hildegard: (zufrieden und weise Richtung Kundschaft blickend) Na also, hat sich doch alles in Wohlgefallen aufgelöst

Susi: (ehrfürchtig) Danke nochmal, ich hatte echt solche Sorge, dass es vorbei sein könnte

Hildegard: (heischend) Und bekomme ich jetzt keine Umarmung? (wird von der Seite von Susi umarmt, da sie immer noch Richtung Theke ausgerichtet ist)

Susi: (erleichtert und frohgemut, verlässt die Szene)

Vollendung der Transaktion, Serge verlässt die Szenerie nicht ohne noch von bewundernden Blicken entkleidet zu werden. Draußen ist es zwar nicht kalt, ein Händereiben kann er sich dennoch nicht verkneifen. Per Computer sollte später noch kondensierter Atem hinzugefügt werden.

Meine Rolle bei diesem Schauspiel habe ich zugegebenermaßen übrigens nicht gut gespielt. Abgesehen davon, dass an dieser Stelle eine alte Dame besser gepasst hätte als ein - soviel ist einzuräumen - Klischeestudent, hätte ich nicht nur stoisch auf mein Brot warten sollen, sondern mich an dramaturgisch abflachender Stelle räuspern und einwerfen sollen, dass ich nicht den ganzen Tag Zeit habe.

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Bewerberfotze

Oktober 10th, 2008 by Serge Krokomieder

Jawohl, ab in die Lore Richtung moralische Vergessenheit, mir egal, welche Klientel das anzieht, jetzt muss mal Klartext übers Web 2.0 geredet werden, es geht nur um Schmutz und Schmodder.

Die arglos schlampig formulierende Volksmundart offenbart endlich die Wahrheit über StudiVZ und Konsorten der Verzeichniswut: Studifotze, Schülerfotze, Bewerberfotze …

Danke Dialekt, Danke artikulationsfaule Gesichtsmuskeln, Danke Volksfotze

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Schwanz: “Eine Gaygallery rechtfertigt noch keine Soirée!”

September 1st, 2008 by Serge Krokomieder

Ein Interview mit Rondel Schwanz (geboren Lenz Dulle), Kunstkritiker an der Volkshochschule Düsseldorf.

Rauchschwade (R.de): Was ist nur los mit der deutschen Kunstszene?

R. Schwanz (R.sz): Moderne Kunst verwirrt die Menschen. Die meisten fragen sich doch beim Anblick eines zeitgenössischen Kunstwerks, ob das eine Raupe mit blauem Stachel auf dem Kopf ist oder man doch nur wieder beschnittene Schwänze beim schlumpfen vor sich hat.

R.de: Die Massenmedien scheinen aber eigentlich ein recht umfangreiches Angebot kreativer Köpfe bereitzustellen…

R.sz: Die freitagabendliche Satire zum Rückwärts Einparken steht für den Exitus des Kulturbetriebs, lediglich dümmlichstes Kabarett lässt noch ein Lächeln über die Gesichter der Stränchenköpfe spielen, die in ihren von ekelhaften Gartenzwergen mit Bewegungsmelder bewachten Gartenhäusern dekubitieren.

R.de: Oft ist es natürlich auch schwierig, als kreativer Freigeist die verdiente Anerkennung zu finden.

R.sz: Das sehe ich anders.

R.de: Fehlt es nicht an staatlich geförderten Berufsalternativen für Künstler?

R.sz: Der Strassenstrich von Dingolfing, eine Stadt, die ehemals aufgrund ihrer immensen Bedeutung in der bildenden Kunst auch als das deutsche Silikontal bekannt war, wimmelt heute mit Recht von gescheiterten Aktionskünstlerinnen, die aufgrund ihrer verlebten Kettenraucherhaut von den mautflüchtigen Fernfahrern mithin als bumsende Omas runtergemacht werden. Die Gedanken an reizvolle bumsende Mädchen an den Ausfallstrassen sind längst in weite Ferne gerückt, diese echten Männer müssen saufen und an Bienen mit dicken Titten denken, um willig zu bleiben, ihre LKW-Ladung an Brotzeitbrettchen von Odessa nach Zwolle zu bringen! Aber ich schweife ab…

R.de: Letzte Frage: Sie haben Kritik an zeitgenössischer Kunst anklingen lassen. Brauchen wir ein Revival politischer Kunst oder zumindest rauschartiger Sinneseindrücke, die sich als explosive Auflehnung gegen das Establishment verstehen?

R.sz: Die ehemaligen Großmeister der Psychedelic Art bringen nicht mal mehr einen Slip in Gräfenroda ins Rutschen. Kunst ist unsexy wie nie.

R.de: Herr Schwanz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Severin Maut (Praktikant bei rauchschwa.de seit August 2008)

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Google-Ads: Die schönste Art “Danke” zu sagen.

Juli 7th, 2008 by Serge Krokomieder

Die Internetszene kultiviert ihre eigenen höfischen Regeln. Warum für einen Backlink eine Dankesmail schreiben oder einen Gegenlink spendieren, wenn man sich auch ohne Aufwand direkt mit Finanzen in die Tasche bedanken kann?

Der freundliche Klick auf die Google-Ads des gesichtslosen Freundes im Internet, den man noch nie im Leben gesehen hat, macht’s möglich. Je nach Dankbarkeit aktiviert die Maus im Vorübergehen auch gerne mal mehrere gesponserte Links und zeigt so diskret und renditestark Hochachtung und Repekt vor der oft prekären Finanzlage der Blogschreiber und Ratgeberautoren im Netz.

Rauchschwade enthält keine Ads, nur so können wir sicherstellen, jetzt nicht als plumpe Absahner dazustehen und die Ernsthaftigkeit dieses Rates fraglich erscheinen zu lassen. Aber unser Rat lautet klar: Dankt allen sympathischen Autoren auf euren Lieblingsseiten ruhig regelmäßig mit dem Klick ins Blaue. Kostes nichts, kurbelt die Wirtschaft an und macht Spaß, wenn man weise wählt.

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Süße Rania, starker Wanja, potentes Ganja.

April 22nd, 2008 by Manbrute Fetzenstein

Deutschland im Frühling 2008. Die Suche nach dem erlösenden Superstar gestaltet sich immer schwerer, langsam läuft uns die Zeit davon. Die Suche nach einem Superstar, der Muskeln beziehungsweise Titten im Überfluss hat, der es vermag ohne pädophil oder nuttig zu wirken, die Zielgruppe von sechs bis zehn zu bedienen, auf Deutschlandtouren das Geschrei aushält, Autogramme aus drei Metern Entfernung auf Zahnspangen und Tamagotchis schreiben kann und, jetzt kommt das wichtigste - diese Mehrfachbelastung nicht durch den Griff zum Grashalm kompensieren muss. Denn Drogen und Musik, das geht nun mal gar nicht, wie es Dr. Peter Bohlen formuliert. Trotzdem: Die süße Rania und der starke Wanja griffen zum stratifizierten Ganja. Nicht ohne Grund sind sie jetzt gemeinsam angeklagt und unter Tanzarrest,  Hasch geraucht haben sie, die Lümmel! Der starke Wanja hat sich natürlich gleich mit dem Zeug verkrümelt, aber die süße Rania hat ihren Drogenexzess noch schnell unter 30.000 Watt im Sat1-Studio auskuriert und Amy Winehouse performt. Gerockt hat’s, freilich, aber um welchen Preis? Drogen und Musik: Da kommt doch normalerweise nur so Zeug wie Dr. Alban raus, der hat ja bekanntlich alle seine Hits unter Äthereinfluss geschrieben.

Merke: Besser nicht auf Drogen ins Fernsehen, da kommt nur Mist dabei raus. Siehe Ronald Schill und Reagan. Und die Suche nach dem Superstar nie aufgeben, irgendwann findet ihn jeder!

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Popeye und Lucky Luke

März 11th, 2008 by Serge Krokomieder

Lucky Luke stieg längst auf Grashalme um, auch bei Popeye bleibt die Pfeife meistens kalt. Was soll’s, echte Männer sind die beiden sowieso nicht, der eine gibt seinem Pferd nicht die Sporen sondern lieber einen Weicheinamen, der andere isst Gemüse und schmeisst die Dose dann einfach in die Umwelt, statt sie im Weichblechsack zu entsorgen. Solche Rolemodels können der Rauchergemeinde gestohlen bleiben.

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Du malst wie Hitler

Januar 16th, 2008 by Serge Krokomieder

Das Phänomen, das von Godwins Gesetz beschrieben wird, dürfte jedem arglosen Spaziergänger im Internet bekannt sein. Früher oder später werden alle Diskussionen, unabhängig von ihrem ursprünglichen Thema, von Nazi- oder Hitlervergleichen geschmückt. Auch wenn es sich hier nicht um eine freie Diskussionsplatform handelt, Rauchschwade vielmehr einem elitären Zipfel keyboardschwingender Glamrocker vorbehalten ist, musste es wohl früher oder später so weit sein, dass sich unser freundlicher Standstreifen des Themas annimmt.

Wir genießen die RTL-Castingshow “Deutschland sucht den Superkünstler”. Die Teilnehmer können sich auf den Kopf stellen wie sie wollen, sie finden trotzdem nicht das Gefallen von Georg Baselitz, der die Jury dominiert: “Du malst wie Hitler” - Der hoffnungsvolle Nachwüchsler Murat Kalam rennt heulend aus dem Studio und wird nie wieder einen Pinsel anfassen außer um seine Spieldosensammlung abzustauben. Baselitz lehnt sich entspannt zurück. Immerhin: er lebt noch und noch dazu im TV, aber nur weil’s Jörg Immendorff nicht mehr auf den Richterstuhl geschafft hat.

Günter Grass hat sich während des bisherigen Sendungsverlaufs zurückgenommen, aber durch seine Physiognomie klargemacht, dass er Baselitz jederzeit ins Wort fallen könnte. Da stockt ihm der Atem. Hatte er sich doch das Recht auf Nazivergleiche vorbehalten geglaubt. Vom Lauf der Show überrascht, zieht er sich zurück und wartet auf den ersten Kandidaten, den er genüßlich verspeisen kann, weil dieser es wagt, den Barte des Propheten zu zeichnen, ohne dessen Gesicht von selbigem verdecken zu lassen.

Auch Paolo Pinkel aka Michel Friedmann sitzt hinter dem meisterlich gezimmerten Jurorentisch. Wer ist gestorben, um ihm den Platz freizuräumen? Jürgen Möllemann, der ihm damals egoistischerweise nicht mal einen Tandemsprung zur Versöhnung angeboten hat? Egal - über jeden Verdacht ernstzunehmender Gesprächsbeiträge erhaben, drückt er die Richterbank wie ein artiger Schuljunge, weil die Bärbel noch Schmutz über die Programmdirektoren von RTL unter den Fingernägeln gefunden hat.

Eva Hermann und Nazischwein

Eva Hermann (im Bild: mit Nazischwein, dem Maskottchen der olympischen Spiele 1936) ist Quotenköchin, -kindermädchen und -kirchenschiff der abendfüllenden Castingshow. Und darüber Witze zu machen, lohnt sich nicht, Kerner wirft sie eh gleich raus.

Übrigens war auch Roland Koch für die Sendung geladen, ist aber nicht aufgetaucht, vielleicht wäre er besser nicht mit der U-Bahn gefahren.

Wir lernen: Es ist nicht so einfach beim Thema zu bleiben. Und: Kunst ist alles andere als unpolitisch, nicht mal bei RTL. Und: Für ein herzhaft ausgerufenes “schwuler als Hitler” sollte sich keiner zu schade sein. Immerhin müssen wir keine Maut zahlen.

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Schlagwörter für coo’le Kid’s

Januar 11th, 2008 by Manbrute Fetzenstein

Hier gibts ein Wiedersehen mit den Bewohnern von Schaffenau - mit Bauer Bock, Schmied Hauzu, Schneider Stichel, Kaufmann Knolle, Knöllchen, Flugkapitän Flux, Oma Bolz, Planierchen, Schwester Leisi, Mutter Pinsel, den Feuerwehrmännern Rauchig, Rußig, Spritzig und vielen anderen.

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Sexy Gewürzkontor: Guter Wille, schlecht gechartet

Dezember 11th, 2007 by Manbrute Fetzenstein

Platz 11. Die schlechteste Platzierung am Tage des Charteintritts, die je eine Benefiz-Popsingle der “Children in Need”-Stiftung in Großbritannien erreichte. Die Kinder in Not sind in Not und reißen ihre Spice Girls-Poster von den Wänden. Außer Baby Spice, die darf bleiben, die hatte letztes Jahr das Weihnachtsgeschäft und den Gabentisch der notleidenden Kinder mit dem charmant-dummdreisten Cover von “Downtown” bereichert.

Dennoch, dieses erschreckende Ergebnis gibt Anlass, die Popgiganten, die in den letzten Jahren die nötigen Kinder persönlich vor den Schlägen ihrer besoffenen Unterschicht-Eltern gerettet haben, Revue passieren zu lassen. Da waren Bronski Beat, S Club 7 gleich doppelt - aber auch Lou Reed. Welches Lied, fragt ihr? Perfect Day, genau.

Und wie leicht man jetzt den Bogen schlagen kann zum Lieblingsfilm aller Runrig-Hörer und Freizeit-Methadonis, da kam die traurige Sangria-Hymne nämlich in exponierter Stellung vor: Trainspotting. Mal ein Drogenfilm, der irgendwie ohne Kiffen auskam. Wer war da nochmal der Hauptdarsteller? Na, das war ja Ewan McGregor, richtig? Der hat doch auch in Star Wars mitgespielt, neulich. Der unvermeidlicherweise von George Lucas und seiner kleinen Multimediafabrik im Silikontal hergestellt wurde. Und war der erste Film von George Lucas nicht THX 1138?

Tja, und da sind wir wieder am Anfang unserer Geschichte, denn obwohl die prima Single “Headlines (Friends Forever)” der Spice Girls nur auf Platz 11 in den britischen Charts eingestiegen ist, war das Konzert in London binnen 38 Sekunden ausverkauft. 1138, die Spice Girls sagen THX, die Kinder sind alright.

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Spam Mails - Das Graffiti unserer Generation

November 21st, 2007 by Serge Krokomieder

hilgendo

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“The words of the prophets are written on the subway walls” (Paul Simon, 1964)

Das Graffiti unserer Generation dagegen wird frei Haus geliefert, per E-mail warnen unsere Erlöser vor sozialen Schieflagen, anatomischen Mißständen, unsicheren Onlinebankingaccounts und überteuerten Autoversicherungen.

Doch nicht selten werden sie dafür als SPAMMER diffamiert und in düstere Blacklistverliese verbannt, die Informationskrüppel vor den Bildschirmen haben ihre Fähigkeit zum Träumen von einer besseren Welt verloren, von einer Welt überlanger Dödel, erstklassiger Verdienstmöglichkeiten von zu Hause aus!, dankbarer ukrainischer Frauen und millionenschwerer Transaktionen vom schwarzen Kontinent.

Katja (29) aus Riga, die für die Verkehrsbehörde “den ganzen Schwerlastverkehr Lettlands und der Ostseeländer graphisch darstellt” und nebenbei auch noch als “Helfer des Buchhalters” aushilft, hatte nie eine Chance “einen Mann in seinem Land zu finden”, glücklicherweise hat der deutsche Mann ihrer Jugendfreundin ihr “ein Visum gemacht”, nun hofft sie in Deutschland endlich einen vernünftigen Kerl (genau genommen einen “guten und sexuellen Mann”) zu finden, der nicht “nur die Unterhaltung” sucht. Dass Maria (30) aus Sankt Petersburg exakt das selbe Problem hat, zeigt, dass es sich hier um einen Trend in der amourösen Entwicklung einer ganzen Generationenlage handelt.

Auch die verhinderten Wohltäter verdienenen mehr Anerkennung. Prinz Azu Zubby zum Beispiel, leitender Buchhalter der Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC) sitzt seit Jahren auf 28,6 Mio US-Dollar, die glücklicherweise bei einem Geschäft übrigblieben (115,3Mio standen zur Verfügung, aber nur 86,7Mio wurden verbraucht, die Differenz streng nach Adam Riese berechnet, es fehlt nicht eine Million). Geld, das man gut für humanitäre Zwecke nutzen könnte, verstaubt aufgrund der übervorsichtigen Ablehnung der Adressaten, der Prinz ist der Verzweiflung nahe.

Der Staat überwacht uns auf Schritt und Tritt, nimmt uns all unser Geld ab mit seinen Radarfallen, doch nur Underdogs benutzen das wunderbare Zauberspray, das sie vor diesem ungeheuren Eingriff in Privatsspähre und Geldbeutel schützen kann, kein Wunder ist der Totalitarismus auf dem Vormarsch.

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“Möchten Sie einen Doktortitel führen?” - Offenbar nicht, längst könnten die bildungsfernen Schichten einen Titel tragen, der ihnen Ansehen und ordentliches Auskommen verschafft, doch die vielfach enttäuschten Gefangenen des Prekariats bleiben untätig. Aber: Ohnehin unnötig, sich auf diese Weise Prestige zu verschaffen, nur um an einen Job zu kommen. Schließlich bietet die “Anlagegesellschaft Glaube” die “ständig geöffnete Vakanz des Verkaufsleiters” an.

Am schlimmsten jedoch ist die Mißachtung der größten Poeten unserer Zivilisation. Die Seelen von Antoine de Saint-Exupéry und Hermann Hesse hallen einem Echo gleich im Internet nach, nur vom leisen Rauschen und Zerren eines Übersetzungsprogramms verfälscht: “Klugheit ist gut, Geduld ist besser. Es ist ein Befehl. Habe ich ihn gefragt. Die Menschen benutzen nur sehr wenig Raum auf der Erde.”

P.S.: Wer heutzutage noch einen zu kurzen Schlong hat, hat die Zeichen der Zeit wirklich vollkommen übersehen.

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