Januar 29th, 2008 by Serge Krokomieder
Die Szene redet nur noch über sich selbst - Elitäre Raucherkreise verwickeln harmlose Barpassanten auf dem Weg zur Bestellung in fruchtlose Gespräche über Rauchverbot und zivilen Ungerhorsam; wenn auch nicht mit diesen Worten und auch nicht ohne Mundgeruch. Auch der obligatorische Beisitzer fehlt nicht in dieser unfreiwilligen Prüfungssituation. Er wacht über die fragile Spontaninteraktion zwischen dem Inhaber eines ordentlichen Barhockers in Kneipenphilosophie und dem zu dieser Prüfung gezwungenen - da zur Bestellung an den Tresen getretenen - Kunden. Hauptmerkmal des Beisitzers ist die zufällige Abgabe unartikulierter Laute, um die eine oder andere Aussage der “Gesprächspartner” zu unterstreichen, überschreiben, einzuklammern oder einzufärben und sein seltsam eifersüchtiges Verhalten auf die vor ihm wie in einer Wolke schwebenden Situation gezielter Aneinanderreihung von Silben.
Während der tragische Held, seiner arglosen Bestellwünsche betrogen, mit jeder Kunstfaser seines Konversationsgeschicks das Gespräch beenden will und mantrisch den Satz “Dieses Thema hat für mich keine emotionale Komponente” wiederholt, der sonderbarerweise in der Praxis nicht so gut funktionieren will wie er sich das in der bereits benebelten Theoriefabrik ausgemalt hat, macht sich seine Begleitung (die als unbeteiligter Beobachter im Hintergrund vergeblich auf die Erfüllung des heiligen Bierversprechens gewartet hat) aus dem Staub - nicht ohne noch einen Stuhl zu klauen - und wankt heim. Auch der glücklose Prüfling lässt sich sein Bier in einen wunderschönen Aluminium-Schwan einpacken und passiert Ausgang und Pförtner, der ihm seinen Status “Nichtmitglied” (in seiner Rolle als nicht immatrikulierter Gasthörer) mit stummen Blicken zum Vorwurf macht.
Beckett wäre begeistert - Das absurde Theater lebt in unseren Kneipen/Rauchklubs neu auf.
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Januar 22nd, 2008 by Manbrute Fetzenstein
Franz Josef Wagner und Brigitte Zypries machen den großen U-Bahn-Check: Wie lange dauert es, bis wir den Fahrgästen, die einfach nur nach Hause wollen, so auf den Sack gehen, dass eine Bierflasche fliegt oder ein Regenschirm den schlauen Schädel malträtiert? Denn heimelig ist es unter der Erde nie, im Bergwerk nicht, im Bunker nicht, und erst recht nicht in Berlins gefährlichster U-Bahn.
“Die Wände sind mit Spray beschmiert, zwei Typen in Gangster-Rap-Klamotten tauchen auf.”
Ekelhafte Sache, das. Hat wieder einer die Wände mit seinem Asthmaspray angeölt. War sicher einer der beiden Typen in ihren Kifferhosen und Rap-Oberhemden. Jetzt aber schnell weg, bevor es auf die Fresse gibt - immerhin hatte der Herr Wagner ja gerade erst mit dem Drohfinger um sich geschossen und virtuelle Watschen verteilt: “Du 17-Jähriger (Grieche) und Du 20-Jähriger (Türke), Ihr habt einen alten Mann fast zu Tode getreten, weil er Euch aufforderte, in der U-Bahn nicht zu rauchen.”
Schade, dass er nicht die Namen rausgekramt hat, aber die wirken nicht so gut wie GRIECHE und TÜRKE. Wobei man an dieser Stelle auch eine durchaus positive Bemerkung zum Thema Nationalismus anbringen könnte, immerhin haben der Grieche und der Türke ihre alte Fehde begraben, um gemeinsam den DEUTSCHEN Rentner zu verhauen. Naja, sei’s drum, “Ich will Euch nicht mehr in meinem Deutschland sehen.” Die Fahrt auf Messers Schneide geht weiter. Es steigt ein Rudel Zigeuner ein und klaut unbehelligt Brieftaschen mit EUROPÄISCHEM Geld, zweihundert stockblaue Union-Fans prügeln sich gegenseitig in die Wampen, “um uns herum die müden starren Gesichter, einsam, verloren. Untergrundfahrer-Gesichter, Unter-der-Erde-Fahrer. Niemand guckt jemanden an. Niemand interessiert sich für einen.”
Da kann man nur von Glück reden, denn wie jeder weiß, gilt in der U-Bahn der Lehrsatz: Interesse = auf die Fresse
Und da ist die Todesfahrt auch schon wieder vorbei, man raucht eine Zigarette, streitet ein bisschen neckisch über Nazis und Kanacken. “Wir verabschieden uns mit Küsschen auf die Wange. Ich mag Frau Zypries, ich mag sie als romantische Freundin sogar sehr.”
Wagner ist zufrieden, er kratzt sich kurz im Schritt, gibt einem DEUTSCHEN Bettler 2 Euro und fährt nach Hause. Mit der Magnetschwebebahn.
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Januar 17th, 2008 by Serge Krokomieder
1. Bilder von Hitler, kommerziell erfolgreich:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,439398,00.html
Umstrittene Entscheidung: Wiener Kunsthochschule bietet nachträgliche Immatrikulation an.
Zu diesem Thema findet nach der Sendung eine Diskussion im Forum statt. Unser Experte im Studio beantwortet Fragen wie: Muss Hitler Studiengebühren zahlen, weil sein letzter gemeldeter Wohnsitz Großdeutschland war? Wird Sienna-Braun unerschwinglich?
2. Bilder von Katzen, die wie Hitler aussehen, gratis
http://www.catsthatlooklikehitler.com

Damit ist jetzt aber auch gut. Schtritzen, Schtratz, Schtonk
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Januar 16th, 2008 by Manbrute Fetzenstein
Zielgruppen gibt es wie Sand am Meer, das ist bekannt: Rentner, Wichser, Rennfahrer. Heute möchten wir von der rauchschwade über eine ganz besondere Zielgruppe aufklären, deren Besonderheit zum Einen darin begründet liegt, dass sie noch nicht besonders lange auf der Welt ist und somit auch nicht besonders viel Ahnung von selbiger hat und zum zweiten - das ergaben jüngste Studien - ein geregeltes Einkommen, das nicht durch überflusskonsumtechnische Störquellen wie “Lebenshaltungskosten” oder “Miete” beeinträchtigt wird: Kinder. Denn solche werden ja auch immer wichtiger, für die Rente, für die Mini-Playback-Show und für den schwunghaften Handel mit legalen Kinderpornos (Nur unter 14, mit Ausweiskontrolle). Modellhaft soll hier eine erfolgreiche Produktpalette argumentiert werden - und außerdem geklärt werden, warum man sich mit wenig Pädokompetenz auf dem arg gebeutelten gastronomischen Sektor ganz leicht ins finanzielle Anseits (Gegenteile von “Abseits” bitte an mailbox[q]head-nature.com) manövrieren kann, umrissen werden. Warum sind Kinder eine gute Zielgruppe?
- Kinder haben Geld, oft sogar mehr als ihre Erziehungsberechtigten, die schon am Monatsanfang die gesamte Stütze für Oettinger Export, Hanse-Glück, Opa’s Hirnstrudel oder Gutsknecht Landbräu rausgeschmissen haben
- Kinder haben keine Geduld. Wenn das Essen weg ist, wird gegangen und nicht noch auf Kosten des Lokals Heizwärme und Soziales Umfeld geschnorrt. Die Kapazitätsauslastung erhöht sich drastisch.
- Kinder mögen keine Qualität. Bockwurst mit Spaghetti, Ketchup mit Mayo, Captain Future-Schnitzel - viel mehr muss die Speisekarte nicht zu bieten haben.

Auch sehr beliebt: Kindergeburtstag auf der Bowlingbahn
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Januar 16th, 2008 by Serge Krokomieder
Das Phänomen, das von Godwins Gesetz beschrieben wird, dürfte jedem arglosen Spaziergänger im Internet bekannt sein. Früher oder später werden alle Diskussionen, unabhängig von ihrem ursprünglichen Thema, von Nazi- oder Hitlervergleichen geschmückt. Auch wenn es sich hier nicht um eine freie Diskussionsplatform handelt, Rauchschwade vielmehr einem elitären Zipfel keyboardschwingender Glamrocker vorbehalten ist, musste es wohl früher oder später so weit sein, dass sich unser freundlicher Standstreifen des Themas annimmt.
Wir genießen die RTL-Castingshow “Deutschland sucht den Superkünstler”. Die Teilnehmer können sich auf den Kopf stellen wie sie wollen, sie finden trotzdem nicht das Gefallen von Georg Baselitz, der die Jury dominiert: “Du malst wie Hitler” - Der hoffnungsvolle Nachwüchsler Murat Kalam rennt heulend aus dem Studio und wird nie wieder einen Pinsel anfassen außer um seine Spieldosensammlung abzustauben. Baselitz lehnt sich entspannt zurück. Immerhin: er lebt noch und noch dazu im TV, aber nur weil’s Jörg Immendorff nicht mehr auf den Richterstuhl geschafft hat.
Günter Grass hat sich während des bisherigen Sendungsverlaufs zurückgenommen, aber durch seine Physiognomie klargemacht, dass er Baselitz jederzeit ins Wort fallen könnte. Da stockt ihm der Atem. Hatte er sich doch das Recht auf Nazivergleiche vorbehalten geglaubt. Vom Lauf der Show überrascht, zieht er sich zurück und wartet auf den ersten Kandidaten, den er genüßlich verspeisen kann, weil dieser es wagt, den Barte des Propheten zu zeichnen, ohne dessen Gesicht von selbigem verdecken zu lassen.
Auch Paolo Pinkel aka Michel Friedmann sitzt hinter dem meisterlich gezimmerten Jurorentisch. Wer ist gestorben, um ihm den Platz freizuräumen? Jürgen Möllemann, der ihm damals egoistischerweise nicht mal einen Tandemsprung zur Versöhnung angeboten hat? Egal - über jeden Verdacht ernstzunehmender Gesprächsbeiträge erhaben, drückt er die Richterbank wie ein artiger Schuljunge, weil die Bärbel noch Schmutz über die Programmdirektoren von RTL unter den Fingernägeln gefunden hat.

Eva Hermann (im Bild: mit Nazischwein, dem Maskottchen der olympischen Spiele 1936) ist Quotenköchin, -kindermädchen und -kirchenschiff der abendfüllenden Castingshow. Und darüber Witze zu machen, lohnt sich nicht, Kerner wirft sie eh gleich raus.
Übrigens war auch Roland Koch für die Sendung geladen, ist aber nicht aufgetaucht, vielleicht wäre er besser nicht mit der U-Bahn gefahren.
Wir lernen: Es ist nicht so einfach beim Thema zu bleiben. Und: Kunst ist alles andere als unpolitisch, nicht mal bei RTL. Und: Für ein herzhaft ausgerufenes “schwuler als Hitler” sollte sich keiner zu schade sein. Immerhin müssen wir keine Maut zahlen.
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Januar 11th, 2008 by Manbrute Fetzenstein
Hier gibts ein Wiedersehen mit den Bewohnern von Schaffenau - mit Bauer Bock, Schmied Hauzu, Schneider Stichel, Kaufmann Knolle, Knöllchen, Flugkapitän Flux, Oma Bolz, Planierchen, Schwester Leisi, Mutter Pinsel, den Feuerwehrmännern Rauchig, Rußig, Spritzig und vielen anderen.

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