Ein Interview mit Rondel Schwanz (geboren Lenz Dulle), Kunstkritiker an der Volkshochschule Düsseldorf.
Rauchschwade (R.de): Was ist nur los mit der deutschen Kunstszene?
R. Schwanz (R.sz): Moderne Kunst verwirrt die Menschen. Die meisten fragen sich doch beim Anblick eines zeitgenössischen Kunstwerks, ob das eine Raupe mit blauem Stachel auf dem Kopf ist oder man doch nur wieder beschnittene Schwänze beim schlumpfen vor sich hat.
R.de: Die Massenmedien scheinen aber eigentlich ein recht umfangreiches Angebot kreativer Köpfe bereitzustellen…
R.sz: Die freitagabendliche Satire zum Rückwärts Einparken steht für den Exitus des Kulturbetriebs, lediglich dümmlichstes Kabarett lässt noch ein Lächeln über die Gesichter der Stränchenköpfe spielen, die in ihren von ekelhaften Gartenzwergen mit Bewegungsmelder bewachten Gartenhäusern dekubitieren.
R.de: Oft ist es natürlich auch schwierig, als kreativer Freigeist die verdiente Anerkennung zu finden.
R.sz: Das sehe ich anders.
R.de: Fehlt es nicht an staatlich geförderten Berufsalternativen für Künstler?
R.sz: Der Strassenstrich von Dingolfing, eine Stadt, die ehemals aufgrund ihrer immensen Bedeutung in der bildenden Kunst auch als das deutsche Silikontal bekannt war, wimmelt heute mit Recht von gescheiterten Aktionskünstlerinnen, die aufgrund ihrer verlebten Kettenraucherhaut von den mautflüchtigen Fernfahrern mithin als bumsende Omas runtergemacht werden. Die Gedanken an reizvolle bumsende Mädchen an den Ausfallstrassen sind längst in weite Ferne gerückt, diese echten Männer müssen saufen und an Bienen mit dicken Titten denken, um willig zu bleiben, ihre LKW-Ladung an Brotzeitbrettchen von Odessa nach Zwolle zu bringen! Aber ich schweife ab…
R.de: Letzte Frage: Sie haben Kritik an zeitgenössischer Kunst anklingen lassen. Brauchen wir ein Revival politischer Kunst oder zumindest rauschartiger Sinneseindrücke, die sich als explosive Auflehnung gegen das Establishment verstehen?
R.sz: Die ehemaligen Großmeister der Psychedelic Art bringen nicht mal mehr einen Slip in Gräfenroda ins Rutschen. Kunst ist unsexy wie nie.
R.de: Herr Schwanz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Interview führte Severin Maut (Praktikant bei rauchschwa.de seit August 2008)